Nährstoffe statt Müllberge

Die holländische Stadt Venlo baut sich ein neues Rathaus. Es wird 11 Stockwerke haben. Das ist nichts Besonderes. DAs Bemerkenswerte ist die große grüne Fassade aus 35 verschiedenen Pflanzen. Sie sollen die Abgase des Straßenverkehrs auf dem vielbefahrenen Eindhovenseweg reinigen und Lebensraum für Vögel und Insekten bieten. Der Dachgarten, der den Regen auffängt. Das Gewächshaus in 50 Metern Höhe, das die Raumluft mit Sauerstoff anreichert und zugleich einen weiten Ausblick über die Maaslandschaft bietet. Die geschickte Zirkulation frischer Luft im dem lichtdurchfluteten Gebäude. Und vor allem die Tatsache, dass kein Bestandteil des Gebäudes als Sondermüll enden, sondern in immer neuen Verwendungen aufgehen soll.

Aber noch ist von dem neuen Vorzeigegebäude Venlos in der Nähe der Maasbrücke nur das Fundament zu sehen. Wenn es aber erst steht, vermutet Michel Weijers, wird die Stadt an der Maas noch mehr Besucher anziehen. Und damit meint der Projektleiter nicht die Schnäppchenjäger aus dem deutschen Grenzgebiet, die sich in Venlo gerne mit Blumen, Kaffee und Käse eindecken. Sondern Stadtentwickler und Kommunalpolitiker aus den Nachbarländern, die wissen wollen: Wie macht ein Gebäude besonders, das nach Cradle to Cradle gebaut ist? Und wie wirkt es sich aus, wenn eine Stadt beschließt, ihre gesamte Entwicklung künftig an diesen Prinzipien zu orientieren?

Cradle to cradle (C2C), von der „Wiege zur Wiege“ statt zum Grab (= Mülldeponie), ist eine Öko-Philosophie des deutschen Chemikers Michael Braungart und des amerikanischen Architekten William McDonough. Die beiden Vordenker haben darin das Kreislaufkonzept der Natur, die keine Abfälle kennt, auf industrielle Prozesse übertragen. Nach der C2C-Denke sollen alle Produkte wieder zu “Nährstoffen“ werden. Entweder, indem sie vollständig biologisch abbaubar sind, oder in immer neuen Produkten immer neue Verwendung finden.

Mit dieser Botschaft reisen Braungart und McDonough seit vielen Jahren über den Globus und beraten Unternehmen und Organisationen darin, wie sie die C2C-Philosopie in die Praxis umsetzen können. Zu ihren Kunden gehören Firmen in aller Welt. In Deutschland zum Beispiel Trigema, Schwan-Stabilo oder Puma. Der Sportartikelhersteller hat im April mit Braungarts Hilfe seine erste Kollektion von C2C-Produkten auf den Markt gebracht, die entweder biologisch abbau- oder vollständig recyclebar sind.

Während weltweit der Cradle to Cradle-Keim bislang aber nur vereinzelt sprießt, hat er in den Niederlanden schon einen Blütenteppich hervorgebracht. Nirgendwo ist die Vision von Braungart und McDonough auf so fruchtbaren Boden gefallen wie hier. Seit ein Fernsehsender 2006 eine Dokumentation über die beiden brachte, ist das Land von der Idee euphorisiert. Braungart erhielt  drei  Lehrstühle an verschiedenen Universitäten des Landes und McDonough große Aufträge für C2C-inspirierte Bauprojekte. Netzwerke aus Unternehmern, Umweltschützern und Politikern bildeten sich und viele Städte und Regionen gaben sich Leitlinien für die künftige Entwicklung, die auf den Cradle to Cradle-Prinzipien basieren. Venlo und die Provinz Limburg gehörten zu den ersten und bemühen sich nun am eifrigsten, Braungarts und McDonoughs Konzept umzusetzen. Den vollständigen ARtikel können Sie im aktuellen Magazin LUX auf den Seiten 30 bis 33 lesen.

 

This entry was posted in Allgemein and tagged , . Bookmark the permalink.